Vom Bleiben und vom Gehen

Wenn die Kindheit eine Adresse hätte, dann würde auf der Anschrift „Zuhause“ stehen. Hier werden die Kinder groß. Eines Tages ziehen sie aus. Zimmer, Wände und Haken werden leer. Die letzte Wäsche wird gewaschen und weggeräumt. Das ist gut. Es ist anders. Am Tisch wird Platz frei. Vielleicht gibt es keine traurigen Tränen. Viel. Leicht. Schwer zu sagen, wie es sich für die Familie anfühlt, wenn ein Teil von ihr geht. Aber die Kindheit hat keinen Ort und keine Adresse. Sie ist kein umbauter Raum, der abgerissen wird. Sie ist auch keine Wohnung, aus der die Mieter rausgeschmissen werden. Die Kindheit ist für Erwachsene wie Kinder von Dauer. Sie geht vorüber und bleibt.

 

© Eva von Schirach