Bikepolo ruined my Life. Bikepolo saved my Life.

Das Erste, was ich sehe, als ich auf dem Weg zu Francos Wohnung in Buenos Aires fahre, ist eine Werbung für einen Burger mit sieben Scheiben Fleisch. Die Bankautomaten gehen nicht. Und wenn sie gehen, gibt es unendlich lange Schlangen davor. Ich bin auf dem Weg zu der lateinamerikanischen Frauen Bikepolomeisterschaft – Interpolas und den lateinamerikanischen Bikepolo Meisterschaften in Rosario. Dort schlafe ich bei Romy. Argentinien ist bekannt für Alfajores, das sind kleine gefüllte Kuchen und für Mate-Tee. Mate-Tee Trinken ist ein heiliges Ritual. Der Tee muss einem angeboten werden, man darf ihn nicht umrühren und den Strohhalm auch nicht berühren. Gleich beim ersten Mal am Poloplatz mache ich alles falsch. Gandul aus Puerto Rico fragt mich nach dem Spiel: „Gitti, do you get it?”, ich schaue ihn verwundert an, „I am a lefty”, sagt er und lacht. Am Busbahnhof wird uns ein Rucksack geklaut. Die Kolumbianerinnen rollen die größten Joints. „Cambiamos el futuro para el pasado?” – Ändern wir die Zukunft für die Vergangenheit, fragt das Graffiti auf der Mauer im Vorbeifahren. Plastetüten wehen romantisch über die weite Fläche auf der Wildpferde grasen. In Rosario demonstrieren Frauen gegen den Feminizid und für das Recht auf Abtreibung. Auf der Strasse liegt ein Plakat mit einem Zitat von Frida Kahlo: „Die Schönheit und die Hässlichkeit sind eine Illusion, weil die anderen am Ende immer in unser Inneres schauen.” In Argentinien wird es Ende Oktober Frühling, die Mandelbäume blühen lila. Mit meinen mexikanischen Freundinnen reise ich durch das Land. Maritzca singt La Cucaracha, ein mexikanisches Revolutionslied, dessen Refrain auf einen General anspielt, den man La Cucaracha, die Küchenschabe nannte und der angeblich ohne Marihuana nicht gehen konnte. In Córdoba schlafen wir bei einem Freund von Franco. Auf dem Dach steigt eine Party, es gibt selbstgemachte Empanadas. An der Wand steht I Love Nancy. Der Blick vom Dach über die Stadt ist atemberaubend. Als ich morgens das Fenster öffne, regnet es, die Blätter des Mangobaums rascheln. Ane meint: „This Bikepolo World is amazing, man findet immer einen Platz zum Schlafen”, auf ihrem T-Shirt steht Tourist No Terrorist. Beim Start habe ich einen atemberaubenden Blick über Buenos Aires. Durch die Wolken scheint die Sonne auf Kühe. Dann folgt, wie nach jedem Turnier der härteste Polopostcomedown ever.

 

© Gitti la Mar